07.04.2015

Kultur- und Kreativwirtschaftsindex Berlin-Brandenburg 2014


Unternehmen und Selbstständige geben der Region Schulnoten. Kultur- und Kreativwirtschaftsindex zeigt Stärken und Schwächen von Berlin-Brandenburg

Die Region Berlin-Brandenburg ist nach wie vor ein attraktiver Anziehungspunkt für kultur- und kreativwirtschaftliche Aktivitäten - die Kehrseite sind allerdings die weiterhin gestiegenen Mieten. Zu u. a. diesen Kernaussagen kommt der jetzt zum dritten Mal erschienene Kultur- und Kreativwirtschaftsindex (KKI) 2014, einer Befragung von Unternehmen und Selbstständigen der Kultur- und Kreativwirtschaft.

Der Untersuchung zufolge geben mehr als sieben von zehn Befragten der Region gute und sehr gute Schulnoten. Als Gründe nennen die Teilnehmer der Studie das vielfältige kulturelle Angebot, die Internationalität der Region sowie die zahlreichen Möglichkeiten der Vernetzung und des Austausches mit anderen Kreativen. Schlechte Noten vergeben die Befragten für die Banken oder das Wohnungsangebot in der Region.

Die hohe Zufriedenheit mit Berlin-Brandenburg, so ein weiteres Ergebnis des Index, deckt sich dabei nicht immer mit der eigenen wirtschaftlichen Situation der Befragungsteilnehmer. Zwar weist die Kultur- und Kreativwirtschaft ein außergewöhnliches Umsatzwachstum auf – mittlerweile übertreffen die Wachstumsraten die der Gesamtwirtschaft in Berlin-Brandenburg und die der Kultur- und Kreativwirtschaft in ganz Deutschland – dennoch beklagt rund ein Drittel der Befragten ein Einkommen, welches kaum oder gar nicht zum Leben reicht. Besonders betroffen davon sind die Märkte Bildende- und Darstellende Kunst, Buch und Presse sowie die Musikwirtschaft.

Der Kultur- und Kreativwirtschaftsindex trifft außerdem Aussagen über die Zukunftserwartungen der Befragten. Diese fallen bei den allermeisten Teilnehmern positiv aus. 34 Prozent der Befragten gehen von einer Verbesserung der eigenen wirtschaftlichen Lage in den kommenden 12 Monaten aus, allerdings auch 14 Prozent von einer Verschlechterung. Unter den befragten Unternehmen ist außerdem mit einer leicht zunehmenden Beschäftigtenzahl und mit insgesamt steigenden Investitionen zu rechnen.

Mithilfe eines offenen Befragungsteils gab der KKI zudem die Möglichkeit, die Probleme am Standort zu benennen. Dabei zeigte sich erneut, dass von gut einem Fünftel das Mietniveau, besonders in der Innenstadt Berlins, zunehmend als Belastung wahrgenommen wird. Etwa ebenso groß ist die Zahl derjenigen, die sich eine großzügigere und aktivere Förderpolitik wünschen. Insbesondere in den kulturnahen Bereichen sind die Absatzmärkte teilweise zu sehr auf die Region ausgerichtet, wo nicht genügend Nachfrage bereitsteht.

Das Fazit der Studie:

Viele der untersuchten Branchen haben mit großen Problemen zu kämpfen. Dabei leiden besonders die Branchen Presse-, Buch- oder Musik in hohem Maße an den Folgen der Digitalisierung beispielsweise der Schwierigkeit, durch digitale Güter angemessene Vergütungen zu erzielen. Dies sind Herausforderungen, die der rechtlichen Nachjustierung auf nationaler und EU-Ebene bedürfen, so wie sie derzeit diskutiert werden. Im Falle der Märkte Bildende und Darstellende Kunst sind sollten die Absatzmärkte auch überregional erweitert und erschlossen werden.

Berlin-Brandenburg besitzt eine große Anziehungskraft für Künstler und Kreative – und nicht nur für diese. Die Kehrseite sind steigende Mieten und ein Mangel an günstigen Gewerbe- oder Ausstellungsräumen – in diesem Punkt hat der Standort, insbesondere aber Berlin, in den letzten Jahren an Attraktivität eingebüßt.

Es gilt, die Stärken der Region effizient auszunutzen und auszubauen. So zeigt die Befragung, dass bereits ein großer Teil der Kultur- und Kreativwirtschaft – besonders im Software- oder Musikbereich – auf internationalen Märkten wirtschaftet. Derlei Wirtschaftsbeziehungen gilt es auszubauen bspw. durch die stärkere Nutzung des positiven Images der Region als „Herkunftsmarke“, um überregionale und internationale Absatzmärkte für die hiesige Kultur- und Kreativwirtschaft besser zu erschließen und über sog. „Cross-Innovations“ das kreative Potenzial noch stärker dort hin zu bringen, wo es sich produktiv entfalten kann. Dieses zeigt sich z.B. bei der Mitgestaltung des Umbaus der klassischen zur digitalen Produktion im quartären Sektor der hochkomplexen Dienste und dem „Internet der Dinge“. Kreativität bietet hierfür wichtige Rohstoffe.

 

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Dirk Martens
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